Themen
30 Jahre Krieg in Afghanistan - 10 davon, was die NATO betrifftKrieg in Afghanistan (Antikriegstagsrede 2010 von Tom Bittner)
Krieg ist keine Lösung im Konflikt um das Atomprogramm im Iran
Wer hält den Atomwaffensperrvertrag ein ?
Wie bedrohlich ist die Islamische Republik Iran ?
Lösungen in Sicht ?
Aufrüstung um jeden
Preis
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30 Jahre Krieg in Afghanistan - 10 davon, was die NATO betrifft
Am 8. Oktober 2011 fand in Stuttgart im Vorfeld des großen Protests gegen Petersberg II ein Hearing statt mit Andre Shephard (US-Army Deserteur), Jama Maqsudi (Deutsch-Afghanischer Flüchtlingshilfe-Verein) und Andreas Zumach (Journalist, Genf). Es wurde klar, dass eine Verlängerung des Kriegs immer mehr Unheil nach Afghanistan bringt und eine wirkliche Erneuerung der im Land vorhandenen dezentralen Strukturen immer unmöglicher macht. Deren Stärkung aber ist dringend notwendig, weil nur sie wirkliche Verantwortung für das Land ermöglichen - im Gegensatz zu der zentralistischen und korrupten Regierung in Kabul, die der Machtposition US-Amerikas zu “verdanken” ist. Dessen Konzept liegt aber leider weiterhin der Petersberg-Konferenz II zugrunde.

Afghanistan-Hearing im Theaterhaus Stuttgart

Jama Maqsudi

Andreas Zumach

Andre Shephard
Der Krieg in Afghanistan
I. Antikriegstags-Rede 2010 von Tom Bittner (Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Esslingen-Göppingen und Mitglied des Friedensbündnisses Esslingen)
an der Nikolauskapelle auf der Inneren Brücke in Esslingen:
Waffen schaffen keinen Frieden, keine Demokratie, keine Sicherheit und keine Gerechtigkeit.
Die Menschen in Afghanistan erfahren das jeden Tag. Der dortige Krieg ist mit militärischen Mitteln nicht zu gewinnen. Lange geheim gehaltene Papiere belegen, wie schmutzig er ist und wie viele zivile Opfer er bereits gefordert hat. Die schlimmsten Befürchtungen wurden übertroffen.
Seit fast 9 Jahren führen westliche Nationen unter Führung der USA Krieg in Afghanistan. Es sollte angeblich ein Krieg gegen den internationalen Terror sein.
Der Erfolg ist jedoch äußerst fragwürdig:
Bin Laden, der weltweit meistgesuchte Terrorist, ist immer noch auf freiem Fuß und verhöhnt mit wiederkehrenden Botschaften die westliche Welt.
Afghanistan wird mehr denn je von Anschlägen und Kampfhandlungen heimgesucht. Die Taliban, die von der Macht verdrängt wurden, kehren zurück und sind überall im Land stärker geworden. Und was uns zu denken geben muss: Ihr Rückhalt in der Bevölkerung nimmt zu.
Die Bevölkerung wurde und wird bei militärischen Aktionen der Besatzer immer stärker in Mitleidenschaft gezogen. Beispielhaft nenne ich den Beschuss des Tanklastzugs bei Kundus.
Die mit der Regierung Karsai angestrebte Demokratisierung nach westlichen Vorstellungen ist gescheitert, es herrschen Korruption, Rechtlosigkeit und Willkür. Wahlen werden massiv manipuliert.
Die Landbevölkerung hat keine Alternativen zum Mohnanbau. Im vergangenen Jahr gab es mit 9.000 t einen Rekord bei der Drogenproduktion, 97% der Welt-Heroinproduktion kommen aus Afghanistan.
Neuere Nachrichten über Bohrungen der USA nach wertvollen Bodenschätzen werfen ein neues Licht auf westliche Interessen in Afghanistan.
Die nun veröffentlichten Geheimpapiere aus dem Pentagon zeigen, wie verzweifelt und hoffnungslos die Lage tatsächlich ist.
Am 20. Juli dieses Jahres fand in Kabul eine Afghanistankonferenz statt:
Vor der Konferenz räumte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen ein, dass die internationale Gemeinschaft den Einsatz am Hindukusch unterschätzt habe. Er befürchtet weiter steigende Opferzahlen in Afghanistan. Die Militäroffensiven in das Kerngebiet der Taliban würden unweigerlich zu heftigen Gefechten führen. (Siehe SN 20.07.10)
Aber lassen wir doch einmal einen Soldaten zu Wort kommen: In den Stuttgarter Nachrichten vom 20. Juli schreibt ein Journalist namens Can Merey: Unter den deutschen Soldaten ist der Frust darüber zu spüren, dass sich die Sicherheitslage während des mehr als sechs Jahre währenden Einsatzes in Kundus immer weiter verschlechtert hat. Er zitiert einen Hauptmann Jan, der zu ihm sagte: „Bei vielen meiner Männer braucht man die Sinnfrage nicht mehr zu stellen“, seine Kompanie hat am Karfreitag drei Soldaten in einem Taliban-Hinterhalt verloren. „Die Frage ist“, so der Hauptmann weiter: „Was steht auf der Haben-Seite?“ Es sei zwar gelungen, hart umkämpften Raum gegen einen immer stärker werdenden Feind zu halten, sagt der Kompaniechef. „Aber bei den Männern ist die Frustration schon da. Wir haben den Gegner weder nachhaltig schwächen können, noch haben wir unseren Einflussbereich großartig ausweiten können“.
Gegen oder für was kämpfen, töten und sterben eigentlich tausende ausländischer Soldaten am Hindukusch? Auch 43 Bundeswehrsoldaten haben bisher in Afghanistan ihr Leben gelassen. Von den Gräueln für die einheimische Bevölkerung ganz zu schweigen! Verteidigen wir wirklich am Hindukusch unsere Freiheit, wie es der ehemalige Verteidigungsminister Struck postulierte?
Jeder Forderung nach Abzug der ausländischen Truppen wird entgegengehalten, dies liefere Afghanistan endgültig dem Terrorismus aus. Mord und Totschlag seien dann wieder auf der Tagesordnung. Die Wahrheit ist: Schon heute wird gestorben, geraten Zivilpersonen ins Visier der NATO-Truppen und der Aufständischen. Auch deutsche Soldaten sind beteiligt, wie beim Angriffsbefehl des deutschen Befehlshabers im Raum Kundus: Dabei kamen im September des letzten Jahres über 100 Menschen ums Leben.
Der Militäreinsatz wird häufig auch mit der Notwendigkeit zur humanitären Hilfe begründet. Humanitäre Hilfe beruht aber auf dem Prinzip der Neutralität. Die von der NATO und der Bundeswehr propagierte „zivil-militärische Zusammenarbeit“ widerspricht diesem Grundsatz.
In Afghanistan zeigt sich, dass auf Grund der Unterordnung humanitärer und ziviler Organisationen unter das Militär zivile Helfer als Teil der Besatzungsmacht erscheinen.
So wurden laut UN-Angaben im Jahr 2008 insgesamt 38 Mitarbeiter von Nicht-Regierungsorganisationen – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr – getötet, 147 wurden entführt.
Die deutsche Bevölkerung ist zu über 70% gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Ungeachtet dessen haben Bundesregierung und die Mehrheit der Parlamentarier neun Jahre lang den Einsatz der Bundeswehr immer wieder neu beschlossen und ausgeweitet. Und: Sie halten weiter an diesem sinnlosen Krieg fest, eine wirkliche Ausstiegsstrategie, gibt es nicht.
Zwar hat die Afghanistan-Konferenz im Juli in Kabul beschlossen, dass die afghanische Armee bis Ende 2014 die Verantwortung für alle Militäroperationen im Land übernehmen soll. Das bedeutet aber noch nicht den Abzug aller ausländischen Truppen. Außenminister Westerwelle sagte, die Bundesregierung sei mit dem Ergebnis der Konferenz ihrem Ziel, in dieser Legislaturperiode eine Abzugsperspektive zu bekommen, einen Schritt näher gekommen. Und fügt dann hinzu, das sei nicht gleichbedeutend mit einem vollständigen Abzug. Da fallen mir aktuell ähnliche Aussagen von Präsident Obama zum Irak ein, der das Ende des Krieges verkündet, die sogenannten „Kampftruppen“ abzieht, aber über 50.000 US-Soldaten im Lande lässt.
Die Konferenz in Kabul billigte auch ein von Präsident Karsai gefordertes Programm zur Aussöhnung mit den Taliban, das von der deutschen Bundesregierung mit 50 Millionen € unterstützt wird. Allerdings haben sich die Taliban bislang jeglichen Angeboten verweigert und der NATO im Juni den blutigsten Monat seit Beginn des Einsatzes bereitet. In diesem Monat war zu vernehmen, dass das Verteidigungsministerium den Bundeswehrsoldaten auch das gezielte Töten erlaubt, ohne dass sie angegriffen werden. Doch das gezielte Töten von Talibanführern führt nicht zur Schwäche des Gegners, die Positionen werden umgehend neu besetzt.
Nichts spricht also dafür, dass sich für die westliche Welt und ihre Truppen demnächst alles zum Guten wendet. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich dieser Krieg endlos hinzieht und es immer schwieriger wird auszusteigen.
Im Februar nächsten Jahres steht die „turnusgemäße“ Verlängerung des Afghanistanmandats im Bundestag auf der Tagesordnung. (derzeitiges Mandat: 5350 Bundeswehrsoldaten)
Wir sollten von Bundestag und Bundesregierung mit allem Nachdruck fordern,
den Bundeswehreinsatz schnellstmöglich zu beenden und Afghanistan beim Aufbau einer Zivilgesellschaft zu unterstützen. Dazu gehört dringend die Unterstützung der afghanischen Frauen sowie der ländlichen Bevölkerung, Frauen und Kinder brauchen Schutz, und die Landbevölkerung nachhaltige Alternativen zum Mohnanbau.
Wie wichtig und richtig ist doch die von der Friedensbewegung immer wieder geäußerte Grundforderung:
Frieden schaffen ohne Waffen!
II. Antikriegstags-Rede 2008 von Helmut Maier vom Friedensbündnis Esslingen vor der Nikolauskapelle auf der Inneren Brücke in Esslingen
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Meine sehr geehrten Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, der Krieg in Afghanistan ist auch angesichts des Georgienkriegs und fortdauernden Georgienkonflikts eine entscheidende Schicksalsfrage dieser Jahre, nicht nur für Deutschland, sondern auch für die ganze Welt. Dabei haben manche Nato-Partner Deutschlands aus ihrer Sicht durchaus Recht, wenn sie die Haltung unseres Landes kritisieren: Deutschland steht nicht wirklich hinter der Politik der USA in Afghanistan. Der Job, den die Deutschen im Norden des Landes tun, ist nicht ganz das, was sich die Amerikaner à la Bush gewünscht haben: nämlich die totale Unterstützung der Kreuzzugspolitik der USA, die nicht frei ist von Gedanken der Rache für die zweifellos schrecklichen Terroranschläge des 11. September 2001.
Es handelt sich bei dem militärischen Einsatz in Afghanistan leider zuallererst um diesen Krieg der USA und der Verbündeten in der NATO - und Deutschland wollte sich ganz offensichtlich in die Verstrickung in diesen Krieg, genannt Operation Enduring Freedom, so wenig wie möglich hineinziehen lassen. Es hat sich vorwiegend auf diejenigen militärischen Operationen eingelassen, die man für den Wiederaufbau des schon in der Herrschaft der Taliban und dann im Krieg der USA in jeder Hinsicht verwüsteten Landes als notwendig erachtet hat: die ursprünglich losgelöst vom amerikanischen Krieg Enduring Freedom durch die UN veranstaltete, aber seit 2003 nur noch Nato-geführte ISAF:
International Security Assistance Force:
Die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe in Afghanistan.
Ursprünglich waren dies zwei völlig verschiedene Ansätze. Heute fließen die zwei Beteiligungen der Bundeswehr immer mehr ineinander. Dies ist weniger auf die fast schon totale Einbindung in die NATO zurückzuführen, sondern viel mehr darauf, dass die verantwortlichen Politiker nicht auf konsequente Gewaltfreiheit vertrauen mögen. Sie glauben nicht, was die AG Friedensforschung an der Uni Kassel 2005 in einer ihrer 60 Thesen für eine europäische Friedenspolitik folgendermaßen ausgedrückt hat:
„Der „Kampf gegen den Terror“, wie er von Seiten der USA und der meisten
westeuropäischen Staaten seit dem 11.9. geführt wird, muss entmilitarisiert werden. Terroristen und deren Aktivitäten sind nicht mit Krieg zu bekämpfen.“
Und tatsächlich stellt sich die Frage, ob es nichtmilitärische Möglichkeiten gibt, den Frieden in Afghanistan zu erreichen. Denn natürlich kann man nach der Zeit, in der man sich militärisch in Afghanistan eingemischt hat, das Land nicht plötzlich sich selber überlassen, vor allem deshalb, weil durch das militärische Eingreifen der Glaube an den guten Willen der Alliierten und der von ihr gestützten afghanischen Regierung in der afghanischen Bevölkerung gründlich gelitten hat, was den Taliban in die Hände gespielt hat und immer noch spielt.
Es ist höchste Zeit etwas zu tun. Die Lage in Afghanistan ist verzweifelt. Das zeigt sich auch an der immer schwieriger werdenden Sicherheitslage selbst in dem unter deutscher militärischer Verantwortung stehenden Norden. Aber es gilt auch dies: (Ich zitiere:)
„Unter den Augen von 50 000 internationalen Soldaten ist halb Afghanistan zu einem einzigen riesigen Mohnfeld geworden. Die Opiumproduktion hat sich seit dem Sturz der Taliban verzehnfacht. 90% des Opiums der Welt kommt aus Afghanistan.“ (So z.B. die Einleitung eines bestürzt machenden Films auf Arte.)
Die Opiumproduktion aber, die wegen der Verstrickung der gesamten Gesellschaft in den illegalen Schmuggel als das größte Hindernis gilt, staatliche Gewalt im ganzen Land durchzusetzen und damit den geordneten Wiederaufbau voranzutreiben und abzusichern, ist mit militärischer Gewalt im gegenwärtigen Ausmaß nicht zu stoppen. Das sieht auch der renommierte Senlis Council, eine internationale Denkfabrik, so.
Im Gegenteil, möchte ich sagen: Je länger und damit mehr die militärische Gewalt der USA und ihrer Verbündeten im Kampf gegen die Taliban (die nicht für den Mohnanbau verantwortlich sind, wohl aber auch an ihm verdienen) zivile Opfer fordert, desto mehr wird der westliche Kampf gegen den Mohnanbau nur als feindliche Einmischung angesehen, was die Rolle der Taliban als angebliche Verteidiger der afghanischen Identität stärkt.
Die Unterscheidung zwischen amerikanischer Kriegsführung und der militärischen Absicherung des Wiederaufbaus wird von der afghanischen Bevölkerung immer weniger gemacht, so dass dann die deutschen Soldaten der Isaf genau so als Feinde Afghanistans erscheinen wie die Amerikaner. Das jüngste Beispiel des Kriegs gegen Zivilisten, in den auch die Deutschen hineinschlittern, hatte ja ganz offensichtlich auch mit einer Kontrollmaßnahme gegen Drogenschmuggel zu tun.
Der Senlis Concil macht zur Bewältigung der Drogenproblematik einen einfachen, wenn auch überraschenden Vorschlag: Der Drogenanbau in Afghanistan solle nicht bekämpft, sondern staatlich kontrolliert werden.
Das Opium solle dem illegalen Drogenmarkt entzogen und stattdessen zur Herstellung der Schmerzmittel Morphium und Kodein auch für die Entwicklungsländer verwendet werden. Vorbilder für den Plan sind Länder wie Indien und die Türkei, wo lizenzierte Bauern seit Jahren Opium für medizinische Zwecke herstellen.
Die Existenzgrundlage der rund zwei Millionen afghanischen Bauern, die vom Drogenanbau leben, bliebe erhalten, argumentiert der Senlis Council. Zugleich würden schädliche Begleiterscheinungen der Drogenökonomie wie Korruption und Gewalt eingedämmt.
Emmanuel Reinert, der Direktor des Senlis Council, präsentierte den Vorschlag Ende September 2007 in Kabul. In einer Presseerklärung begrüßte die afghanische Regierung das Vorhaben, die Möglichkeiten einer lizenzierten Opiumproduktion auszuloten. Sie hat aber auch deutlich gemacht, dass Afghanistan noch nicht reif sei für diesen Vorschlag, weil sie derzeit nicht in der Lage sei, eine solche Lösung abzusichern.
Es habe aber auch eine inoffizielle Reaktion gegeben, berichtet Reinert:
Die afghanische Regierung müsse vorsichtig sein. Sie müsse die Meinung der wichtigen Geberländer berücksichtigen, allen voran der Vereinigten Staaten und Großbritanniens.
Beide Länder verfolgten eine Politik, bei der die Vernichtung der Drogen im Mittelpunkt stehe, macht der Senlis Council deutlich. Er dagegen betrachte das Problem aus einer ganz anderen Perspektive.
Bei der Idee, den Opiumanbau zu lizenzieren, gehe es um Entwicklung und wirtschaftlichen Wiederaufbau in Afghanistan. Wenn in einem Land der Anbau einer Pflanze 60 Prozent des Bruttosozialprodukts ausmache, dann gehe es nicht mehr nur um Drogen.
Reinert wörtlich: „Dann gibt es vielmehr ein wirtschaftliches Problem, das nicht durch repressive Politik und militärische Drogenbekämpfung bearbeitet werden kann.“
Reinert betont, dass es weltweit dringenden Bedarf an Schmerzmitteln gibt.
Achtzig Prozent aller Länder hätten Zugang zu lediglich sieben Prozent des weltweit hergestellten Morphiums und Kodeins. Allein die sieben reichsten Länder verbrauchten 80 Prozent. Es gebe kein Morphium oder Kodein in Lateinamerika, Asien und Afrika; selbst in Westeuropa gebe es immer wieder Engpässe. Zurzeit sei der Weltmarkt so organisiert, dass das Angebot den tatsächlichen Bedarf nicht decke.
Wenn sie die Wahl hätten, würden sich die afghanischen Bauern in Umfragen für eine Lizenzierung des Opiumanbaus als legale Variante gegenüber dem Verkauf auf dem illegalen Markt entscheiden.
Dabei könnten lokal verankerte Mechanismen sozialer Kontrolle genutzt werden. So der Senlis Council auch in neuesten Informationen. Es herrsche keine Anarchie im ländlichen Afghanistan. Es gebe eine funktionierende soziale Organisation, zum Beispiel in Form von lokalen Versammlungen wie Shuras oder Jirgas beziehungsweise Ältestenräten.
(Erste Untersuchungen zur Wertschöpfung in einer lizenzierten Opiumwirtschaft zeigten, dass das Nettoeinkommen der Bauern mindestens so hoch wäre wie bisher. Es würden ja auch einige Kosten wegfallen, die der illegale Markt mitbringe.
Das gelte sogar für die lokalen Händler und Kriegsfürsten. Auch sie könnten in einem Lizenzsystem eine Rolle und ein Auskommen für sich finden.)
Ein großer Vorteil des Lizenzsystems wäre, dass der Zentralstaat, dem so ein Vorgehen möglich würde, auf lokaler Ebene an Akzeptanz gewinnen könne, weil er nicht mehr die Lebensgrundlage der Bauern attackieren würde. Zurzeit laufe jede Initiative der Regierung zum Opiumanbau darauf hinaus, die Bauern anzugreifen, die nur sich und ihren Familien ein anständiges Leben ermöglichen wollen.
Die Lizenzierung dagegen würde die Lebensgrundlage der Bauern erhalten und zugleich den afghanischen Staat stärken.
Der Teufelskreis des illegalen Marktes könne in einen Kreislauf sich gegenseitig verstärkender Vorteile verwandelt werden.
Ich erinnere daran, dass Reinert betont, es handle sich um ein Problem, -Zitat!- „das nicht durch repressive Politik und militärische Drogenbekämpfung bearbeitet werden kann“.
Umgekehrt kann man daraus schließen, dass eine nicht-militärische Lösung der Probleme Afghanistans möglich wäre. Jedenfalls verhindert der militärische Einsatz solche Modelle.
Allerdings:
Eine Nichtverlängerung auch nur eines Teils des Interventionspakets würde den Kriegstanker NATO auf Schlingerkurs bringen und auch die deutsche Außenpolitik würde mit der Aufgabe des militärischen Afghanistan-Einsatzes insgesamt in Frage gestellt werden: Das Diktum, Deutschland werde auch am Hindukusch verteidigt, verlöre plötzlich seine Gültigkeit. Die Transformation der Bundeswehr zu einer weltweit einsetzbaren Interventionsarmee geriete in Erklärungsnot.
Das jedoch wäre gut so!
Der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr ist das in der Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg am deutlichsten gewordene Dilemma des Glaubens an die Macht des Militärischen:
- Erstens fehlt durch die Militärausgaben das Geld, das gebraucht würde, um wirklich glaubwürdig zu machen, dass es bei der bundesrepublikanischen Politik um partnerschaftliches Denken geht. Dass es nach der Wende vom kommunistischen Anspruch, mit gesellschaftlichen Zwangsmitteln eine bessere Welt zu schaffen, nicht darum geht, zum dominierenden System einer weltweiten Freiheit der Mächtigen zu kommen, das die Schicksale von einzelnen Menschen, ja, ganzen Gesellschaftsgruppen oder sogar Völkern zu vergessen droht.
- Zweitens trägt der tatsächlich oder wenigstens potentiell weltweit erfolgende Bundeswehreinsatz dazu bei, dass Ideen zur gewaltfreien Entwicklung der Welt und schon erste Ansätze zum Denken in eine wirklich humane Richtung von Politik ohne Vertrauen auf Drohgebärden im Keime erstickt zu werden drohen.
Kurz gesagt: Das Vertrauen in militärische Lösungen verhindert kreative und humane Weltpolitik. Sie aber muss entwickelt werden!
Wie der Krieg in Georgien zeigt, hat der Krieg in Afghanistan (bereits vorbereitet durch die Argumentation im Kosovokrieg) auch Russland die Option eröffnet, das Prinzip ‚humanitäre Intervention statt Nichteinmischung‘ ganz nach der westlichen Sprachregelung für eine militärisch ausgerichtete Interessenpolitik zu nutzen. Herfried Münkler sieht in einem Interview in der taz vom 14. August eine Kehrtwendung russischer Außenpolitik. Er zeigt, wie Russland folgendermaßen argumentiert:
„Dann verabschieden wir uns vom Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten und greifen selbst zum Argument der humanitären Intervention.“
Wir sind heute hier, um eine echte Wende zu fordern hin zu einer friedlichen Welt, ohne unser Gewissen und das der Politiker mit dem verhängnisvollen Vertrauen auf die Macht des Militärischen zu beruhigen.
Krieg ist nicht die Lösung der Probleme. Krieg schafft weitere Probleme. Diese Erkenntnis muss sich durchsetzen.
Heute, am 1. September 2008 wird der Aachener Friedenspreis an den kürzlich achtzig Jahre alt gewordenen Andreas Buro überreicht , einem, der sich um diese Kritik an militärischen Lösungsstrategien für Konflikte verdient gemacht hat und als Ideengeber für die deutsche Friedensbewegung unverzichtbar scheint. Wir gratulieren ihm von hier aus recht herzlich.
Wir stehen hier wie er im Vertrauen auf Gewaltfreiheit und ihre Kraft und willens, dieser Basis für eine bessere Welt den absoluten Vorrang einzuräumen. Ich hoffe auch auf Ihre Unterstützung für eine gewaltfreie Politik – zum Beispiel dadurch, dass Sie am 20. September in Stuttgart an der großen Demonstration gegen den Krieg in Afghanistan teilnehmen.
Also dann: Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und spätestens bis zum Wiedersehen am 20. September in Stuttgart.
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Friedenstruppen im Libanon
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Die Waffen schweigen im Libanon und Menschen sind in die zerbombten Gebiete zurückgekehrt. Ein in der gesamten Region ersehnter Frieden ist noch lange nicht in Sicht. Die Trauer und Wut über die mehr als 1.000 getöteten Zivilisten werden die Menschen in ihren Familien und in der Region nicht so bald vergessen. Trauer und Wut begleiten auch uns, wenn wir an die Bilder denken, die uns im Juli/ August 2006 über das Fernsehen erreichten. Wozu sollte der Tod der Menschen dienen?
Nicht wenige teilten in Gesprächen über diesen Krieg die Auffassung, dass die Entführung der beiden israelischen Soldaten durch die Hisbollah (siehe Anmerkungen unten) für Israel ein willkommener Anlass war, um mit einer offenkundig lange geplanten Offensive nicht nur die Hisbollah zu treffen. Offensichtlich ist auch, dass der Hisbollah kein wirklicher Schaden zugefügt wird, indem man von Menschen bewohnte Siedlungen unter dem Vorwand beschießt, dort könnten sich Hisbollah-Kämpfer versteckt halten. Auch israelische Menschen sind Opfer dieses schrecklichen Krieges geworden und müssten sich fragen, was geschehen wäre, wenn die Hisbollah in höchster Bedrängnis Mittelstreckenraketen auf Tel Aviv abgeschossen hätten. Mohssen Massarrat, Professor für Politik und Wirtschaft an der Universität Osnabrück, zeichnet ein Szenario, nach dem "die USA und Israel einen solchen Angriff als Angriff auf Israels Existenz erklärt hätten und vermutlich nicht gezögert hätten, am UN-Sicherheitsrat vorbei umgehend Teheran, vorrangig aber Irans Atomanlagen und logistische Einrichtungen zu bombardieren." (Zeitung gegen den Krieg/ZgK Nr.24, Herbst 2006)
Eine am 9. August bekannt gewordene Schadensbilanz des libanesischen Rates für Entwicklung und Wiederaufbau schätzte die materiellen Kriegsschäden seinerzeit auf 2,5 Milliarden Dollar, ohne die katastrophalen Umweltschäden und den ausbleibenden Tourismus miteinzurechnen. Erschreckend wie die israelische Regierung diesen Krieg bilanziert, denn ihre einzige Kritik bezieht sich dort darauf, nicht konsequent genug zugeschlagen zu haben. Emud Olmert, Israels Ministerpräsident, am 14.08.06 in der Knesset: "Wir werden weiter die Hisbollah-Führer jagen und wir werden uns bei niemandem entschuldigen. und niemanden um Erlaubnis fragen." (ZgK) Der Friedensblock Gush Shalom schätzte am 16.08.06 in der israelischen Zeitung Haaretz die Ergebnisse anders ein: "Eine militärische Lösung ist gescheitert, eine unilaterale Lösung ist gescheitert, es lohnt sich also etwas anderes zu versuchen: Übereinkunft mit dem Libanon inklusive der Hisbollah, Übereinkunft mit Syrien zur Rückgabe der Golan-Höhen, Übereinkunft mit Palästina inklusive der Hamas (siehe Anmerkungen unten)."
Im UN-Sicherheitsrat brauchten die Beteiligten eine Woche Zeit, um ihre Resolution zum Libanon-Krieg zu verabschieden, eine weitere Woche zur Verhandlung mit den Beteiligten, um damit einem Waffenstillstand auf die Beine zu verhelfen. Felicia Langer, israelische Menschenrechtsanwältin und schon öfter Gast bei Friedensveranstaltungen in Esslingen, kritisiert: "Diese Resolution kommt einen Monat zu spät und trägt offen einen US-Stempel. Sie bezeichnet Israel nicht als einen Aggressor und erlaubt der israelischen Regierung weiterhin, militärisch defensiv zu agieren, das ist sehr interpretierbar. Die Resolution enthält keine Forderungen nach Freigabe der israelischen Minenpläne, die im Südlibanon gelegt sind. Streubomben und Minen sind tatsächliche Gefahren für die rückkehrenden Flüchtlinge." (ZgK, Nr. 24)
Der Diskussion in Deutschland zum Krieg im Libanon steht mittlerweile die Frage des Einsatzes der Bundeswehr voran, die in der Bevölkerung im übrigen keine Mehrheit findet (ZDF-Politbarometer Mitte August, ZgK). Grund für diese Stimmung dürften vor allem die Kosten und die einhergehenden sozialen Einschnitte sein, auch ein guter Grund. Deutschland wurde zur Teilnahme an der UN-Aktion durch die israelische Regierung eingeladen worden und könne daher sich einer solchen Einladung nicht entziehen, argumentiert die Bundesregierung. Außenminister Steinmeier unterstrich auch noch nach der Tötung von 28 Zivilisten in Kana durch die israelische Armee seine Parteilichkeit: "Ohne die Freilassung der israelischen Soldaten gibt es keinen Waffenstillstand" (SZ v. 1.08.06). In seinem Artikel "Kein Beitrag für den Frieden" stellt Arno Neuber dagegen: "In den Debatten um deutsche Verantwortung wird in aller Regel unterschlagen, dass die Lehren aus Faschismus und Krieg nicht in der bedingungslosen Unterstützung der Politik einer beliebigen israelischen Regierung bestehen, sondern in einer Politik, die Militarismus, Rassismus und Imperialismus ächtet." (ZgK, Nr.24) Die Verantwortlichen in Israel sind von einer Lösung des Konflikts weiter entfernt als vor dem Krieg. Diese Lösung lautet: Anerkennung auch derjenigen UN-Resolutionen, die den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten und ein Israel in den Grenzen von 1967 verlangen. Eine solche Lösung im Interesse der israelischen und palästinensischen Bevölkerung würde heißen, alles zu tun, damit Israel von seinen arabischen Nachbarn anerkannt werden und in gesicherten Grenzen leben kann und es einen lebensfähigen Staat Palästina gibt.
Ob Ehud Olmert und die deutsche Bundeskanzlerin ihr erklärtes Ziel, die Entwaffnung der Hisbollah, erreichen können, bleibt sehr fraglich. Daher erhält der Auslandseinsatz der Bundeswehr eine zusätzliche gefährliche Brisanz. Die Vorhersagen der verteidigungspolitischen Richtlinien von 2003 könnten sich dann nämlich schnell bewahrheiten. Unter Ziffer 58 heißt es dort: "Die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Einsatzarten sind fließend. Eine rasche Eskalation von Konflikten, wodurch ein friedenserhaltender Einsatz in eine Operation mit höherer Intensität übergeht, ist nie auszuschließen." Das Friedensbündnis Esslingen stellt in seinem Flugblatt zum Antikriegstag 2006 fest: "Im Nahen Osten lassen sich Probleme nicht mit militärischen Mitteln lösen, sondern es verstärken sich die Gegensätze noch mehr." Nach Arno Neuber "bedarf es keiner Rechenkunst, um vorherzusagen, dass die militärischen Ausgaben für eine geplante Interventionstruppe die zivile Hilfe weit übertreffen bzw. zivile Hilfsleistungen verhindern werden."
Anmerkungen:
Die schiitische Hisbollah
entstand
1982 mit iranischer Unterstützung während der israelischen
Invasion im Libanon. Der Iran schickte damals mehrere hundert
Angehörige revolutionärer Garden in den Libanon, "um gegen
die Zionisten zu kämpfen." Mehrere Entführungen und ein
Anschlag auf die US-Botschaft wurden der Hisbollah zur Last gelegt.
Die auch von Syrien unterstütze Hisbollah soll nach
Schätzungen zwischen 3.500 und 5.000 aktive Kämpfer haben.
Seit 1985 trat sie mit Anschlägen in der israelischen
"Sicherheitszone" im Südlibanon in Erscheinung. Hunderte
Mitglieder der pro-israelischen Miliz Südlibanesische Armee kamen
bei Anschlägen der Hisbollah ums Leben. Immer wieder schlugen
Katjuscha-Raketen und andere Geschosse im Laufe der Jahre in
nordisraelischen Siedlungen ein. (Quelle:
zdf.de) zurück
Die radikal- islamische Organisation Hamas hat
sich den "Heiligen Krieg/ Dschihad" gegen Israel auf ihre Fahnen
geschrieben. Ihr Ziel ist die Zerstörung Israels und die
Gründung eines islamischen Staates Palästina. Sie hat in
den israelisch besetzten Gebieten zahlreiche soziale Dienste
gegründet, die ihr viel Sympathie gebracht haben. Auf das
Hamas-Konto
gehen zahlreiche Selbstmordattentate in Israel. Hamas entstand
als Ableger der ägyptischen Moslembruderschaft nach dem
Sechs-Tage-Krieg von 1967. Militant wurde Hamas nach Beginn der
Intifada
Ende 1987, auch in Konkurrenz zur PLO und zur Gruppe Islamischer
Dschihad. Sie finanziert sich nach israelischen Angaben aus
Mitgliedsspenden und -beiträgen sowie der Unterstützung
arabischer Staaten wie Saudi-Arabien oder Iran. Die israelische
Regierung sah sie zunächst als Gegenpol zur PLO und
unterstützte sie indirekt. 1989 wurde die Hamas in den
besetzten Gebieten verboten. (Quelle:
zdf.de) zurück
Streifzug
durch die Geschichte Israels
und
Palästinas
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Die Gründung Israels
Nachdem die UNO am 29.11.1947 die Teilung des ehemaligen britischen Mandatsgebietes Palästina beschlossen hatte, zogen die Briten ab. In dem ihr zugesprochenen Teil rief die jüdische Bevölkerung des Gebietes am 16.05.1948 den Staat Israel aus. Viele arabische Bewohner flohen aus diesen Gebieten, teils aufgrund arabischer Aufrufe, teils unter israelischem Druck. Diese Flüchtlinge lebten dauerhaft in Flüchtlingslagern arabischer Nachbarstaaten, nie integriert und in steter Unzufriedenheit. Mit dem Angriff Ägyptens, Transjordaniens, Syriens, des Iraks und des Libanons auf Israel begann der erste israelisch-arabische Krieg, in dem sich Israel durchsetzte und von da an statt 56% nun 77% des früheren britischen Mandatsgebietes beanspruchte. Israel und die arabischen Nachbarstaaten vereinbarten 1949 einen Waffenstillstand, Jerusalem wurde in einen West- und einen Ostsektor aufgeteilt. Dem Waffenstillstand folgte kein Friedensschluss, die arabischen Staaten lehnten direkte Verhandlungen und die Anerkennung Israels ab.
Mit der Verstaatlichung des Suez-Kanals und der Blockade der Straße von Tiran am Roten Meer durch Ägyptens Staatspräsidenten Nasser sah sich Israel von wichtigen Versorgungslinien abgeschnitten und besetzte in geheimer Absprache mit Frankreich und Großbritannien die Sinai-Halbinsel und den Gazastreifen. Auf Druck der USA und der Sowjetunion zog Israel schließlich seine Truppen zurück, entsandte UN-Truppen sicherten die ägyptischen Grenzen und die Passage im Roten Meer wurde für Israel geöffnet.
Der Sechs-Tage-Krieg
Unterschiedliche Ursachen spitzten sich 1967 zu einem erneuten israelisch- arabischen Krieg zu. Der Truppenabzug der UN von der Sinai-Halbinsel, eine erneute Blockade des Zugangs Israels zum Roten Meer und die Aufrüstung ihrer arabischen Nachbarstaaten nahm Israel zum Anlass, in einem Überraschungsangriff am 05.06.1967 in wenigen Stunden die gesamte Luftwaffe der gegnerischen Staaten zu zerstören. Es eroberte in den nächsten Tagen die Halbinsel Sinai, Ostjerusalem, die Westbank und die Golanhöhen. Infolge des Krieges flohen erneut ca. 300.000 Palästinenser in die umliegenden Staaten. Im November 1967 verabschiedete der Sicherheitsrat der UN die Resolution 242, die den Abzug der israelischen Truppen aus den besetzten Gebieten forderte, um im Gegenzug die Anerkennung des Staates Israel zu erreichen. Von Ägypten und Jordanien wurde die Resolution als weitere Verhandlungsbasis akzeptiert.
Für die Palästinenser hatte der Krieg weitreichende Folgen. Sie waren auf sich selbst gestellt, nachdem die arabischen Staaten offenbar zu schwach waren, um sich ihrer Sache anzunehmen und die internationale Gemeinschaft nicht einmal die Existenz eines palästinensichen Volks anzuerkennen schien. Unter der israelischen Besatzung lag die Machtbefugnis über das besetzte Gebiet rechtlich bei der israelischen Armee. Zahlreiche Militärerlasse - sich berufend auf britische Notstandsverordnungen - "erlaubten" dem israelischen Militär das Zensurrecht auszuüben, Ausgangssperren zu verhängen und Häuser zu zerstören. Die zum Zeitpunkt der Besatzung 1967 bereits schlecht gestellten Gebiete wurden durch die israelische Besatzung zusätzlich von ihren wichtigsten Absatzmärkten Ägypten und Jordanien abgeschnitten und mussten sich auf den Handel mit Israel verlegen. Viele Palästinenser arbeiteten für niedrige Löhne in Israel. Von 1967 an errichtete Israel entlang dem Westufer des Jordans und an wichtigen Positionen völkerrechtswidrig jüdische Siedlungen und entzogen den Palästinensern massiv Boden.
Ab 1977 wurden die Siedlungsaktivitäten zunehmend religiös begründet, die Staatsgründung auf historisches Recht zurückgeführt. Während Israel in der Westbank auch Kommunalwahlen zuließ, wurde im Gazastreifen z.B. der palästinensische Legislativrat aufgelöst. Ohne politische Artikulationsmöglichkeiten begann die Bevölkerung im Gazastreifen sich vornehmlich auf den bewaffneten Widerstand zu konzentrieren. Die 1964 gegründete PLO setzte sich die Befreiung ganz Palästinas zum Ziel und legitimierte dafür den bewaffneten Kampf.
Am 6. Oktober 1973 sah sich Israel völlig überrascht einem Angriff Ägyptens und Syriens ausgesetzt. Die zunächst ebenso überraschten Supermächte USA und UdSSR begannen bald damit, ihren jeweiligen Bündnispartner mit Material zu unterstützen. Israel schlug die beiden Angriffe zurück und die beiden Supermächte suchten internationale Lösungen. Im November 1973 wurde die PLO auf einem arabischen Gipfeltreffen erstmals als rechtmäßiger Vertreter Palästinas akzeptiert, ein Jahr später durfte Jassir Arafat vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen sprechen. Der PLO wurde ein Beobachtungsstatus zugesprochen.Der Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten
Auf Vermittlung des amerikanischen Außenministers hin begannen 1973 Verhandlungen zwischen Israel und Ägypten und im November 1977 kam es zu einem historischen Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten Anwar al Sadat in Jerusalem. Ägypten versprach sich von dieser Politik in erster Linie wirtschaftliche Vorteile von Seiten der USA. Auf Einladung Jimmy Carters einigten sich Israel und Ägypten auf den Rückzug israelischer Truppen aus dem Sinai und unterzeichneten einen Friedensvertrag.
Der Libanonkrieg
In den 70er Jahren zog sich die PLO in den Südlibanon zurück und agierte von dort. Im Frühjahr mehrten sich in Israel Stimmen, den Libanon anzugreifen, um die PLO zu zerschlagen und ein Israel freundlich gesinntes Regime zu installieren. Die Ermordung des israelischen Botschafters in London nahm Israel zum Anlass, intensive Luftangriffe zu starten. Erst ein erneutes Eingreifen der USA konnte die Situation entschärfen. Palästinensische Truppen versprachen sich aus Beirut zurückzuziehen, falls internationale Truppen die palästinensische Zivilbevölkerung schütze. Am 16.09.1982 kam es, nachdem die internationalen Truppen wieder abgezogen waren, durch Milizen der christlichen Phalangisten des Libanon zu einem Blutbad unter den Bewohnern zweier Flüchtlingslager, das die israelische Armee tatenlos zuließ. Daraufhin kam es in Israel selbst zu großen Massendemonstrationen gegen den Krieg. Letztendlich zog sich die israelische Armee erst 1985 aus dem Libanon zurück, behielt aber die Kontrolle einer Sicherheitszone, die terroristische Angriffe verhindern sollte. Die PLO ging zwar geschwächt aus diesem Konflikt hervor, verlor aber nicht ihre Bedeutung zur Identifikation für die Palästinenser.
Die erste Intifada
In den 80er Jahren kam es vermehrt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in den besetzten Gebieten, auf welche die israelische Regierung mit einer Politik der eisernen Faust reagierte. Die aufgestauten Frustrationen der Palästinenser entluden sich am 8.12.1987 in der ersten Intifada (Erhebung) gegen die israelischen Besatzer. Es kam zum Boykott israelischer Produkte, zu zivilem Ungehorsam und Generalstreiks. Bilder von jugendlichen Steinewerfern gegen israelisches Militär gingen um die Welt. Während im Westjordanland die Intifada weitestgehend von der PLO kontrolliert wurde, gewannen im Gazastreifen vor allem islamistische Gruppen wie Dschihad und die Hamas an Einfluss.
Jassir Arafat proklamierte 1988 aus Tunis den Staat Palästina, bezog sich dabei eindeutig auf UN-Resolutionen, womit er gleichsam das Existenzrecht Israels anerkannte. Die USA begann den Dialog mit der PLO, während Israels Regierung weiterhin direkte Verhandlungen mit der PLO ablehnte. Unter den Palästinensern machte sich Enttäuschung breit, zeigten doch die politischen Zugeständnisse keine Folgen. Erst im September 1993 gelang ein Durchbruch im Friedensprozess, dass sich die PLO und Israel unter norwegischer Vermittlung gegenseitig anerkannten. Die Palästinenser erreichten eine Teilautonomie und Israel wollte sich militärisch zurückziehen. Israel behielt sich in den besetzten Gebieten die Hoheitsgewalt über ihre äußere Sicherheit und die der jüdischen Siedler vor. Im Gegenzug lehnte die PLO Terror ab und übernahm die Verantwortung für ihre eigenen Gruppierungen. Viele Fragen wurden allerdings verschoben, die Etablierung eines palästinensichen Staates, die Rückkeher der palästinensischen Flüchtlinge sowie der Rückzug jüdischer Siedler. Am 20.01.1996 wurde Jassir Arafat von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung zum Präsidenten gewählt. Doch der Autonomieprozess geriet ins Stocken. Die Stimmen in Israel über mangelnde Sicherheit mehrten sich und die Regierung begann mit dem Bau neuer jüdischer Siedlungen. Der Protest der Weltgemeinschaft dagegen blieb ungehört, zwei Verurteilungen dieser Siedlungspolitik durch die UNO wurden aufgrund des Vetos der USA nicht verabschiedet. Israel und Palästina verhandelten in zähen Runden weiter.
Die zweite Intifada
Spätestens am 28.09.2000 mussten alle Hoffnungen auf eine baldige friedliche Lösung des Konflikts begraben werden. Der Likud-Oppositionsführer Ariel Sharon besuchte in Begleitung von ca. 1.000 Polizisten das islamische Heiligtum in Jerusalem, den Haram al Sharif, und provozierte damit bewusst die Palästinenser. Nach ersten friedlichen Protesten riefen palästinensische Organisationen zur zweiten Intifada auf. Israel reagierte durch Abriegelung palästinensischen Gebiets und zerstörte nach Selbstmordattentaten ganze palästinensische Dörfer. Ein Ende der Spirale der Gewalt ist in weite Ferne gerückt.zurück
Krieg
ist keine
Lösung im Konflikt um das Atomprogramm im
Iran
zurück
In den letzten Wochen verschärft sich der Ton zwischen der US- Regierung und dem Iran, die Möglichkeit eines nahenden Krieges wird immer bedrohlicher. Dass dieser kein Problem aus der Welt schafft, versteht sich für das Friedensbündnis Esslingen von selbst. Hat der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder zumindest offiziell eine Beteiligung der Bundeswehr im Irak- Krieg ausgeschlossen, lassen CDU- Kanzlerin Angela Merkel und SPD- Außenminister Frank-Walter Steinmeier jede Abgrenzung gegenüber den USA vermissen. Wir möchten in aller Kürze Hintergrundinformationen und ein paar Denkanstöße zum Thema geben.
Wer hält den Atomwaffensperrvertrag ein ? zurück
Der Vertrag, 1968
beschlossen und 1970
in Kraft getreten, soll die
Verbreitung von Kernwaffen verhindern und gleichzeitig die "friedliche"
Nutzung von Kernenergie ermöglichen. Die offiziellen
Atommächte - USA, Russland, China, Ftankreich und
Großbritannien - verpflichten sich, kein waffenfähiges
Nuklearmaterial an andere Länder abzugeben und selbst
abzurüsten. Alle weiteren 183 Nichtatommächte verpflichten
sich, ihren Status nicht zu verändern. Einschließlich der
fünf Atommächte betreiben derzeit 44 Staaten Atomreaktoren.
Aufgrund der anwachsenden Gefahr,
dass weitere Staaten sich in die
Lage versetzen, Atomwaffen
zu bauen, wurde 1997 ein Zusatzprotokoll
vereinbart, dass die Internationale
Atombehörde (IAEO)
unangemeldet Kontrollen durchführen kann. Beschlossen, aber noch
nicht in Kraft gesetzt, ist
außerdem der Stopp der Atomtests.
Indien, Pakistan und Nordkorea
haben bestätigt im Besitz von
Atomwaffen zu sein, Israel behält sich eine sogenannte "atomare
Zweideutigkeit" vor. Im Iran wird eine Absicht zum Bau von Atomwaffen
vermutet. Die USA und die anderen fünf Atommächte haben ihre
Verpflichtung abzurüsten nicht
eingehalten und haben unserer
Ansicht nach kein moralisches Recht, dem Iran Vorschriften zu machen,
noch durch einen "Präventivkrieg" den Iran zum Verzicht auf sein
Atomprogramm zu
zwingen.
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Wie bedrohlich ist die Islamische Republik Iran ?
Nach Einschätzung des amerikanischen Geheimdienstes sei der Iran "frühestens" in 10 Jahren in der Lage Atombomben zu bauen.(Dietmar Ostermann in der FR v. 3.8.2005) . Während die USA von allen möglichen Standorten aus den Iran "umzingeln" und Israel mit Mittelstreckenraketen jederzeit in der Lage ist, den Iran anzugreifen, geht militärisch vom Iran kaum eine Gefahr aus. Wirklich bedrohlich wird es erst, wenn sich durch Kriegsdrohung und Diffamierung auch zwischen den Religionen die Situation zuspitzt. zurück
Lösungen in Sicht ?
Aufrüstung um jeden Preis zurück
aktualisierten Planungen für den Umbau der Bundeswehr vor. Bis auf die
Preise, die wir Steuerzahler/innen dafür zu bezahlen haben, hat sich nichts
Landesverteidigung ausgerichtete Bundeswehr in eine für weltweite Einsätze
ausgestattete Armee umgewandelt werden soll. Vom angeblichen Sparwillen auf
allen Ebenen kann keine Rede sein, denn die Einsparungen beim Abbau der
Soldatenzahl sind längst in neue Waffen eingeplant.
Die bisher nicht vorhandene Teilfähigkeit "strategische Verlegefähigkeit"
wird mit Priorität hergestellt. Sie ist Voraussetzung für den Einsatz, die
Verstärkung und die Versorgung von Kräften in weit entfernten
Einsatzgebieten", so Peter Struck in seiner Presseerklärung vom 31.03.2004.
Dies spiegelt sich dann auch in den vorrangig betriebenen
Beschaffungsmaßnahmen wieder. Der Militärairbus A400M wird ab 2012 in einer
Gesamtstückzahl von 60 beschafft. Mit ihm können der neue Kampfhubschrauber
"Tiger", der Transporthubschrauber NH90 und das ebenfalls neu entwickelte
gepanzerte Transportfahrzeug "Boxer" transportiert werden. Mit dem Tiger und
dem NH90 bekommt die Bundeswehr einen "bemerkenswerten Fähigkeitsgewinn" und
erreicht auch international ein beachtliches Niveau, wie der
stellvertretende Heeresinspekteur Manfred Dietrich im April 2004 im
Infobrief Heer ausführte. Auf dem Boden werden die Soldaten mit dem "Boxer"
in den Kampf gebracht, unterstützt vom - ebenfalls neuen und
luftverlegefähigen - Schützenpanzer "Puma". Liegt das Kriegsgebiet in
Küstennähe, kann die neue Fregatte F124/125 amphibische Landoperationen durch
"Landzielbeschuss" unterstützen. Auch die neuen Korvetten der Bundesmarine
dienen diesem Zweck. Ein weiteres Marine-Vorzeigeobjekt ist das neue U-
Boot 212, das mit Brennstoffzellenantrieb kaum zu orten ist.
Neben diesen Waffensystemen, mit denen die "Verlegefähigkeit" und die
"Wirksamkeit im Einsatz" gesteigert werden sollen, laufen weitere
Beschaffungsprogramme. Die "Nachrichtengewinnung" wird durch das
Satellitensystem ASR-Lupe in die eigenen Hände genommen. Hier ist man
bisher auf die Hilfe anderer Staaten angewiesen. Zur "Führung und Steuerung"
solcher weltweiten Einsätze dient das Satellitenkommunikationssystem SATCOM.
Ebenfalls aus militärischer Sicht ein Gewinn ist das europäische Navigationssystem
"Galileo", mit dem man vom US-amerikanischen GPS unabhängig werden will.
Ohne GPS ist ein moderner Krieg kaum führbar.
Der Eurofighter komplettiert das Bild der neuen Bundeswehr. Unter anderem
mit dem neuen Marschflugkörper "Taurus" bewaffnet, ist die Bundeswehr
damit zu Luftangriffen aus sicherer Distanz in der Lage, wie wir sie seit
dem Jugoslawienkrieg kennen. 180 Maschinen hat die Bundeswehr geordert, die
ersten wurden inzwischen in Dienst gestellt.
Auch wenn interessierte Kreise der Bundeswehr gerne das Image einer
bemitleidenswerten Rumpfarmee geben: Die Weichen zu einer hochmodernen
Interventionsarmee sind längst gestellt. Die vorgesehene Verkleinerung der Heeresstärke
von 280.000 auf 250.000 Soldaten dient genau diesem Ziel. Diese gliedern sich in
Zukunft in 35.000 Mann hochspezialisierte "Eingreifkräfte" für Interventionen, in
70.000 Mann "Stabilisierungskräfte" zu längeren Einsätzen wie im Kosovo und in
Afghanistan und in 135.000 Mann "Unterstützungskräfte". Vor allem die
Eingreifkräfte verlangen nach neuen Waffen. Durch die Reduzierung des
Personals und die Schließung von Standorten wird angestrebt, den Anstieg
der Investitionsausgaben innerhalb des Militärhaushaltes von jetzt 24% auf
30% bis Ende des Jahrzehnts hochzufahren.
(Auszüge aus einem Aufsatz von Joachim Schramm, veröffentlicht in
www.schritte-zur-abruestung.de)
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